Dorfgeschichten



Diese e Mail erreichte mich am 12.03.2021 und ich finde, eine sehr nette Geschichte.

Es handelte sich um das Tempo Dreirad von Kaufmann Petersen.


Sehr geehrter Herr Sernow

wir lebten 1945 bis 1950 als Flüchtlinge in einem Bunker in Kropp Hochmoor. Die Nachkriegszeit bestimmte Hunger, Kälte und Entbehrungen jeder Art. Einmal in der Woche kam ein Obst und Gemüsehändler vorgefahren - ich vermute, es war Herr Petersen aus Jagel. Meine ältere Schwester erstürmte damals mit einigen anderen Kindern diesen Tempo /Lieferwagen und klaute Äpfel, Tomaten u.ä. Als meine Mutter das mitbekam, hagelte es ein fürchterliches Donnerwetter und heftige Prügel. 

Wir sind zwar arm, aber Diebe sind wir noch lange nicht! Schärfte unsere Mutter uns ein.


Als ich Ihre sehr informativen Seiten im Internet entdeckte, musste ich das einfach schreiben.

Herzliche Grüße
E. Methling aus Hamburg 


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Hallo Herr Sernow,

wir zogen 1952 nach Westerland/Sylt, aber meine Ferien verbrachte ich stets auf dem Bauernhof in 

Kropp-Hochmoor. Mein Vater hatte die verwitwete Bäuerin geheiratet. Diese  Zeit mit Kühen, Kälbern, 

Pferden, Schweinen, Ferkeln, Hühnern, Katzen, Enten, der Ernte, dem Rüben hacken, dem Bauerngarten 

ist mir unvergesslich geblieben. Ein Highlight war die Lieferung aus Jagel. Ein Kaufmann brachte 

Streichhölzer, Fliegenfänger, auch ein Mittel, das auf den eisernen Ofen gelegt wurde, fürchterlich 

stank und die Fliegen tötete. Am schönsten waren für mich die Mengen an Margarine, weil es kleine 

Sammelfiguren dazu gab. Zum Schluss wurden die vielen, frischen Eier in einer Schüssel aus dem 

Vorratskeller geholt und dem Kaufmann mitgegeben.

 

Herzliche Grüße von

E. Methling.

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Sehr geehrter Herr Sernow,

während des Winters 1946/47 türmten sich meterhohe Schneeberge in Norddeutschland auf. Unsere

Behausung unter der Erde - 1939 als Depot-Bunker von den Nazis gebaut, 1946 von den Briten als 

Flüchtlingsunterkunft hergerichtet -  war völlig eingeschneit. Unsere Mutter saß mit uns Kindern 

stundenlang in diesem feuchten, dunklen Keller und hatte wohl mit dem Leben abgeschlossen. Plötzlich 

hörte sie ein kratzendes, schürfendes Geräusch. Unser Vater hatte uns gefunden und den Eingang 

freigeschaufelt. Große Freude !!!


Schlimm wurde es dann noch einmal, als die große Schneeschmelze begann. Im Bunker stand das Wasser

40 cm hoch, mein Babybett - eine Holzkiste - schwamm um die Betten, den Tisch, den kleinen Kohleofen

herum. Unsere wenigen Habseligkeiten waren völlig durchnässt. Die 10-jährige Ilse brachte mich in 

einem alten Kinderwagen zum nahegelegen Bauernhof. Hier wurde ich abgetrocknet, bekam warme 

Kleidung an und konnte mich erholen.

  

Auf dem Foto sind meine beiden Schwestern zu sehen, außen sitzen Ingegert und Ing Britt, zwei 

Schwedinnen, die uns regelmäßig Pakete mit Nahrungsmitteln, Kleidung u.v.m. schickten und uns

besuchten. Ohne sie hätten wir wohl nicht überlebt.

 

Herzlichen Gruß von

E. Methling

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Hallo Herr Sernow,

im Sommer 2012 suchten wir die hübschesten Ecken in Schleswig-Holstein auf. Eckernförde, Schleswig, Flensburg, Lübeck... Nach den Museums- und Schlossbesuchen waren wir ziemlich k.o. und legten an der B 77 im /Burger King/ in Jagel eine Pause ein. Mein Mann besorgte uns im Innenbereich etwas Essbares, ich saß im Freien in der Sonne und meine Gedanken waren sofort in Kropp-Hochmoor. Die B77 nannten wir damals "Chaussee", dort begann für mich die große weite Welt.
Zum Rüben hacken standen meine kleinen Gummistiefel und die kurze Hacke bereit, die Großen bearbeiteten 4 Reihen und ich entfernte zwischen zwei Reihen das Unkraut - Beikraut - wie es heute heisst. Mittags kam Anne mit belegten Broten, Kaffee und Bechern, wir ließen uns auf einer Decke nieder und aßen genüsslich die Wurstbrote auf. Anschließend schliefen meine Schwester und ich unter freiem Himmel ein.
Ein Spaß war es, wenn wir bei der Getreideernte hinten auf dem roten Mähdrescher mitfuhren. Es war staubig, piksig und nicht ganz ungefährlich.
Am schönsten war die große Holzwanne, in der die Milchkannen blitzblank geschrubbt wurden. Wenn das Wasser über einen Schlauch abgelassen wurde und sich auf dem Vorplatz ergoss, hatte ich mein eigenes Meer. Ich baute Dämme, Kanäle, Klippen, Inseln.... Mein Vater ging mit mir über die Äcker, um u.a. nach defekten Pfählen zu sehen, dabei machte er mich auf die Kiebitze aufmerksam und zeigte mir ihre Gelege mit den gesprenkelten Eiern. Wenn in der Ferne die Eisenbahn auftauchte, zählten wir die vielen Wagons.
Die Kupplung des grünen Treckers (ein Fendt?) schaffte ich mit 10 Jahren noch nicht hinunter zutreten, aber ein Jahr später gelang es mir und ich war mächtig stolz, bei der Ernte mithelfen zu können.

Als ich meinem Mann den ehemaligen Hof zeigen wollte, war alles verwildert und verfallen. Nur eine Firma, die hier Kies abbaut, machte sich breit.
Auf dem Gelände der drei ehemaligen Bunker ist der /Aero Club e. V. Kropp /beheimatet. Sie haben mir vor vielen Jahren einen kostenlosen Rundflug angeboten.

Herzliche Grüße
E. Methling 


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Am 04.01.2021 habe ich diese e Mail erhalten


Sehr geehrter Herr Sernow,

mein Vater – inzwischen 95 Jahre alt – erzählte mir vor Kurzem, dass er in den letzten Kriegstagen 1945 auf 

dem Rückzug aus Dänemark, kurz bevor er in Gefangenschaft kam, bei einem Bäcker in Jagel – mit dessen 

Einwilligung - in dessen Garage (oder Schuppen) seinen Fotoapparat verstecken durfte Mit seinen Aufnahmen 

der letzten Kriegstage.


Anhand Ihrer schönen Fotodokumentationen zu Jagel denke ich, Sie wüssten am Besten, wo 1945 eine Bäckerei

war. Und vielleicht ist die Kamera ja noch immer versteckt.

Oder jemand hat die Bilder entwickeln lassen, und sich gefragt, wer die wohl gemacht hat. Da könnte ich nun 

Licht ins Dunkel bringen.

Falls Sie einen Bäcker in Jagel wissen, der 1945 eine Bäckerei in Jagel betrieb, würde ich ihm gerne Grüße von

meinem Vater ausrichten. Die Kamera darf er natürlich behalten mit den Bildern.

 

Wenn Sie mir einen Hinweis geben könnten oder eine Anschrift, wäre ich Ihnen dankbar.

Ich selber wohne in München und bis Jagel zum Selber forschen ist es doch etwas sehr weit.

 

Mit freundlichen Grüßen

Michael aus München

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